"Da, wo vor nicht
langer Zeit Sandhügel, verfallenes Gemäuer und öde Steppen den
Wanderer zurückschreckten, entzückt nun ein mit Geist und Geschmack
angelegter Lusthain das Auge. Schöne Baumgruppen, freie Rasenplätze,
schattige Alleen, liebliche Wasserpartien, überraschende Aussichten auf
die Stadt, auf den Rhein, machen diese Anpflanzung zu einem der
angenehmsten Spaziergänge. - Von irgendeiner der verschiedenen Anhöhen
des Parks umherschauend, glaubt man in jeder einzelnen Partie des
Lusthains ein schönes Landschaftsgemälde zu erblicken."
Grüne Lunge
Ganz so schwärmerisch wie diese
1840 verfaßte Reisebeschreibung von Johann Wilhelm Spitz über
den Hofgarten, "eigentlich das Düsseldorfer Elysium",
wird das Urteil über die grüne Lunge mitten in der dichtbebauten
City heute wohl nicht mehr ausfallen. Doch der Hofgarten ist wegen
seiner Vielfältigkeit ein beliebtes Ziel für einen erholsamen
Spaziergang. Die Vielfältigkeit verdankt der Park den
unterschiedlichen Auffassungen über Gartenbaukunst, die in seinen
Teilen abzulesen sind. Der französisch-klassizistische Stil mit
seinen geraden, gegenüber der Natur geradezu künstlich und bewußt
gestaltet wirkenden Formen findet sich im ältesten Teil des
Hofgartens zwischen Schloß Jägerhof und Wasserbassin mit "Jrönem
Jong". Die Reitallee mit ihren vier Baumreihen, deren repräsentativer
Charakter heute noch von den St.-Sebastianus-Schützen Stadtmitte
für die große Parade beim jährlich wiederkehrenden Schützenfest
genutzt wird, ist diesen Formen verpflichtet, genauso wie die
schnurgerade gefaßte Düssel neben der Seufzerallee an der
Goltsteinstraße sowie der kleine Blumengarten mit den genau
abgegrenzten Beeten vor dem Schauspielhaus.
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Englischer
Parkstil
Diese strengen Formen bilden
einen reizvollen Gegensatz zu den übrigen Teilen des Hofgartens,
die im Geiste des englischen Parkstils mit landschaftsbelebenden,
sehr "natürlich" wirkenden Elementen gestaltet sind.
Die Zuhörer von Konzerten im Musikpavilion glauben, auf den
Wiesen in "freier Natur" zu lagern, ebenso wie die
Erholungssuchenden, die am Napoleonsberg ein Sonnenbad nehmen. Und
wenn das Wassergeflügel die schmalen Ufer des Landskronen-Weihers
erklimmt und Spaziergänger ganz zahm um Brotstücke anbettelt,
dann scheint die Idylle vollkommen. Die Vielfältigkeit wird von
den städtischen Gärtnern erhalten. So finden sich auf dem 27
Hektar großen Gelände des Hofgartens weite Wiesen mit prächtigen
einzelstehenden Bäumen (13 Hektar); sie sind nach den
Vorstellungen des Hofgartenschöpfers Maximilian Weyhe
"naturnah" belassen, nur am Ananasberg und vor dem
Schauspielhaus sind Blumenbeete mit strengen Formen und
abgezirkelten Beeten zu finden.
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| Nördlich
der Maximilian-WeyheAllee stehen die meisten der 2000, bis zu 200
Jahre alten Bäume des Hofgartens und täuschen fast einen kleinen
Wald vor. (Büsche und Bäume nehmen im Hofgarten vier Hektar in
Anspruch.) Die ruhig plätschernde Düssel, das Bassin mit dem
"Jrönen Jong" und der stille Weiher an der Landskrone
(rund drei Hektar) bringen ein belebendes Element in den
Hofgarten. Es ist kaum verwunderlich, daß die vielfältigen
Landschaftsformen des Hofgartens auch als Kulisse für Denkmäler
genutzt werden.Am beliebtesten ist sicherlich der Märchenbrunnen,
der mit seinen gefälligen Formen und seinem Charme in einer
lauschigen Ecke nahe des Weihers steht und Spaziergänger immer
wieder zum Verweilen und Betrachten einlädt. Gleichen
Bekanntheitsgrad hat wohl der "Jröne Jong" unter der
Wasserfontäne. Doch die Palette der Kunstwerke ist vielfältiger.
Sie weist die den klassizistisch-romantischen Idealen
verpflichtete Stephanienbüste genauso auf wie das durch seine
Schlichtheit wirkende Denkmal für den Hofgartenschöpfer Weyhe,
sie bietet vom Nationalgefühl geprägte sowie nachdenklich
stimmende Ehrenmäler für gefallene Soldaten; und nicht zuletzt
moderne Skulpturen wie Vadim Sidurs "Mahner" und die
Liegende Figur in zwei Teilen von Henry Moore. Sie alle setzen als
"künstliche Objekte" in der gestalterischen Landschaft
reizvolle Akzente. |
Entstehung
Der friedliche Hofgarten verdankt
seine Entstehung - so paradox es klingen mag - kriegerischen und
militärischen Gegebenheiten. Die Auseinandersetzungen im Siebenjährigen
Krieg hatten die Grundstücke von Pempelfort, die damals außerhalb
der Befestigungen lagen, arg ramponiert. Reichsgraf Franz Ludwig
Anton von Goltstein, Statthalter des Kurfürsten, wollte diese
Verwüstungen beseitigen und gleichzeitig eine Art
Arbeitsbeschaffungsprogramm für arme und erwerbslose Düsseldorfer
ankurbeln. So wurde 1769 nach den Plänen von Nicolas de Pigage
(er schuf auch den Benrather Schloßpark) der älteste Teil des
Hofgartens im französisch-klassischen Stil angelegt. Etwa 700 Düsseldorfer
wurden zum Planieren und Bepflanzen benötigt. Ausgestattet war
der Hofgarten, der sich damals noch hinter Schloß Jägerhof bis
zur heutigen Pempelforter Straße ausdehnte, mit Statuen, Gipslöwen
und einem chinesischen Pavillon am Bassin des "Jrönen Jong"
- ganz nach dem vorherrschenden höfischen Geschmack. Diese fürstlichen
Herrlichkeiten fielen militärischen Planungen zum Opfer. Zwischen
1797 und 1799 bauten die Franzosen, die in den Wirren der
Revolutionskriege Düsseidorf eingenommen hatten, die Stadt als
Festung aus und vernichteten viele Bäume samt Pavillon. Nach dem
Frieden von Lunäville 1801 mußten die Franzosen Düsseldorf
wieder räumen, die Festungswerke wurden geschliffen. So entstand
Platz für eine Erweiterung des Hofgartens, mit der 1804 nach den
Plänen Maximilian Weyhes begonnen wurde und die 1811 von
Napoleon, der mit einem "Verschönerungsdekret" den Düsseldorfern
die ehemaligen Wallanlagen für Grünanlagen überließ, ausdrücklich
anerkannt wurde. Weyhe schuf einen Landschaftsgarten im englischen
Stil. Seine Kunst, Bodenerhebungen und sanfte Täler auf engem
Raum anzuordnen und "natürliche" Landschaft zu zaubern,
ist im Hofgarten gut abzulesen: Das Zusammenspiel der Hügel
Landskrone, Hexenberg und Ananasberg sowie der Napoleonsberg mit
den angrenzenden, weiten Wiesen ist meisterlich gelungen. Weyhe
gestaltete auch große Teile des alten französischen Gartenteils
neu, nur die Reitallee und die Seufzerallee neben der Düssel
blieben erhalten. Der Hofgarten war eingebunden in die
Stadtplanung der damaligen Zeit. Trotz ihrer unterschiedlichen
Charaktere und unterschiedlicher Ansichten arbeiteten der
Gartenarchitekt Weyhe und der Stadtplaner Adolph von Vagedes eng
und fruchtbar zusammen. Auf der Fläche der ehemaligen
Stadtbefestigung sollte ein durchgehender Kranz von Grünanlagen
und Promenaden entstehen. Die Parkanlagen am Spee'schen Graben,
Schwanenspiegel, Königsallee, Hofgarten und Heinrich-Heine-Allee
sind bis Mitte des 19. Jahrhunderts unter M. F. Weyhe geschaffen
worden. Der Ananasberg und der Napoleonsberg sind gleichzeitig
optische Schlußpunkte für Königsallee bzw.
Heinrich-Heine-Allee; die goldene Brücke, die über den Weiher
zur Landskrone führt, ist Mittelpunkt der Anlage. Ständen nicht
Bäume, Häuser und Straßen im Wege, könnte von ihr der Blick
sowohl bis zum Schloß Jägerhof als auch bis zur Altstadt
schweifen.
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Der Hofgarten
heute
Die Qualität des Hofgartens als
grüne Insel in der City wurde nicht immer erkannt. So sollten
Teile von ihm 1845 einem Bahnhof geopfert werden, die Nazis
wollten dort eine große Aufmarschstraße bauen. Diese Pläne
konnten zwar vereitelt werden, doch einige kleine Teile des Parks
gingen an die gefräßige Stadt verloren. Der Eiskellerberg wurde
bebaut, ebenso der Garten hinter Schloß Jägerhof. Für die
Gesolei wurde der Ehrenhof wie ein Riegel zum Rhein hin errichtet.
Er stellt aber in seiner Geschlossenheit einen städtebaulich
reizvollen Abschluß dar. 1958 wollte Stadtplaner Professor Tamms
für Autostraßen sogar den Weiher an der Landskrone teilweise
zuschütten. Wegen der großen Proteste bei den Düsseldorfern
wurde dieser Plan fallengelassen. Was blieb, sind eine
Erhaltungsatzung, die jede Änderung des Hofgartens verbietet und
Fußgängerpassagen, die die trennenden Verkehrsachsen unterqueren
und die verschiedenen Teile des Hofgartens zusammenwachsen ließen.
Seit 1998 steht der Hofgarten auch unter Denkmalschutz.
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